Was meinen Sie?Nichts?

Das Thema ” Nichts” - in allen seinen Formen vom physikalischen, dem Vakuum ,  bis hin zum philosophischen (der Leere, der Stille) gewinnt in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung…und immer mehr Bücher erscheinen dazu. Das Burn Out Syndrom, Depressionen ,  der unbändige Wunsch nach “Time Out” und dem erfolgreichen Verlassens des Hamsterrades der sogenannten “alten Gewohnheiten” bestimmen immer mehr unsere Gedanken und Gefühle. Und darüber, ob wir nun glücklich oder unglücklich. Zufrieden oder unzufrieden mit unserem Da-Sein sind.

Ein Dilemma, in das wir da mehr und mehr geraten. Denn “Innhalten”, bewußt “Nicht(s)-tun, Stille, Ruhe, Leere geniessen und Energie daraus schöpfen - das wurde uns auf unserem Weg des Erwachsen - Werdens nicht gelehrt. Ganz im Gegenteil. Nicht(s) tun wurde und wird immer noch mit Faulheit, Müßiggang, Schmarotzertum gleichgestellt abe gleichzeitig betont das man wisse: “In der Ruhe liegt die Kraft”!

 

Was ist Ihre/Eure Meinung dazu?

Ich auf jeden Fall habe festgestellt, daß die Käufer meines Buches “Mit Nichts zum Erfolg” in erster Linie Menschen sind, die garnicht mehr überzeugt werden müssen. Menschen, die vorrangig eine Bestätigung in Buchform dafür finden wollen, dass sie sich auf dem “richtigen Weg” befinden.

Geht es Ihnen auch so ? Was würden Sie anders machen? Vielleicht bei einer Neuauflage meines Buches anders schreiben?

Und - abschließend - eine ganz wichtige Frage:

“Braucht man für bewußtes “Nicht(s)-tun, Innehalten, Energie schöpfen, einen FREIEN  WILLEN? Einen freien Willen, etwas bewußt nicht oder noch nicht zu tun? Oder halten Sie es mit den Pofessoren Roth und Singer die verkünden: Der freie Wille des Menschen ist eine Illusion…alles ist determiniert, vorherbestimmt!

Was meinen Sie?

 

 

 

 

Der „freie Wille“ – nur eine Illusion?

 

„Wohin des Weges, einsamer Reiter?

Nach rechts oder nach links?““

„Keine Ahnung – frag’ das Pferd…!“

 

 

Im Normalfall treffen wir pro Tag mehr als 200 Entscheidungen . Viele davon „frei -willig“ – viele wiederum „un -frei -willig“! Und noch viel mehr davon werden schon alleine in Hinblick auf die einwandfreie Funktion unseres Körpers unbewußt getroffen.

 

Man sollte annehmen, dass unsere Entscheidungen und unser Wille (Wollen) dazu kein Geheimnis für uns darstellen. Daß es keine Zweifel darüber gibt, wie und warum sie entstehen.

Weit gefehlt, denn auch hier bewahrheitet sich, dass die einfachsten Dinge in unserem Leben meistens die schwierigsten sind. Diskussionen, Forschungen , Erfahrungen und Meinungen füllen ganze Bibliotheken .

 

Eine Entscheidung zu einer Handlung – oder deren Unterlassen – ist stets Resultat eines vorangegangenen Willensaktes. Darüber kann man sich einig sein, oder auch nicht. Je nach Theorie , die man vertritt, denn mehr als nur „Theorien „ gibt es dazu nicht.

 

Die Geister (unser Geist?) scheiden sich wenn es um Bewußtsein, Unterbewußtsein und unseren sogenannten „freien Willen“ geht. Denn was nun ein Willensakt tatsächlich ist, ob er bewusst oder unbewußt, frei -willig oder un –frei -willig geschieht…und was unter „Freiheit“ überhaupt zu verstehen ist…seit Menschengedenken sind diese ungeklärten Fragen Nährstoff für eine Unzahl an Theorien und Vermutungen.

Wir können aber davon ausgehen , dass unser Gehirn als Hauptbeteiligter Bescheid weiß . Wir allerdings nicht! Oder noch nicht…?

Und fest steht auch, dass wir in unserem DaSein , ob wir nun wollen oder nicht, zu Entscheidungen gezwungen werden. Denn selbst die Nicht- Entscheidung stellt ja bereits eine Entscheidung dar.

 

Nehmen wir das Bild mit dem Reiter vor der Weggabelung. Wie hat er sich wirklich entschieden? Rechts oder links? Und warum hat er so entschieden? Weil er den Weg kennt und ein Ziel verfolgt? Rein intuitiv, seinem „inneren Gefühl“ folgend? Oder hat er sich entschieden, dass er sich nicht entscheidet und es dem Pferd überläßt, wohin es gerade gehen will…?

Und um es noch komplizierter zu machen: vielleicht glaubt das Pferd zu spüren, fühlen, wohin der Reiter will (die Belastung des Reiters im Sattel könnte ihm dies eventuell vermitteln…Schwerpunkt seines Sitzes mehr rechts oder mehr links…)

 

Unsere Willensfreiheit als Illusion ist in den letzten Jahren zum Aufsehen erregenden Schlagwort in den Medien geworden. Von Wissenschaftlern und Autoren gleichermaßen verwendet . Für die Einen , wie den Gehirnforscher Prof. Gerhard Roth, für den ist mit der Entdeckung des sogenannten „Bereitschaftspotentials“ *, (1964 von den beiden Hirnforschern Kornhuber und Deecke entdeckt) die jedem unserer Willensakten voraus geht ,dies schon „fast bewiesen“ .Für die Anderen als wissenschaftliche Trittbrett-Fahrer willkommener Stoff für Bestseller mit haarstreubenden Theorien und “Weisheiten” und Prinzipien , wie das “Lola-Prinzip” des Schweizer Schriftsteller-Ehepaars Egli.. Fest steht für Roth wie auch die Eglis: Wir Menschen verfügen über keinen freien Willen , von dem wir nur glauben, ihn zu besitzen. Wir alle, mit eingeschlossen jene, die dies – entgegen ihrem freien Willen ?, auch weltweit medienwirksam publizieren.

 

Als Nicht-Wissenschaftler kann man da leicht den Eindruck bekommen, da diskutieren Blinde über Farben. Zu mindestens kann davon leicht - ob zu Recht oder auch nicht - abgeleitet werden, dass, was immer wir auch tun, dies nicht frei -willig geschieht. Ein Mörder somit für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er könne garnicht anders handeln  und somit  für sein Tun - oder Nicht.tun - garnicht verantwortlich. Eine Verantwortung in unserem Leben gäbe es ebenso wenig wie Freiheit. Und wozu die biblischen 10 Gebote des “Du sollst nicht…” überhaupt existieren, wenn man ohnhin keine freie Entscheidung dafür besitzt?

 

Man könnte ferner davon ableiten, wir Menschen stellen mit unserem Körper und Geist keine Einheit dar und wären mehr oder weniger „fremd - bestimmt“. Vielleicht von einem bislang weit gehendst unerforschten Unter-Bewusstsein, Gehirn, Geist…wie auch immer. Auf jeden Fall etwas, jemand, das/der nicht wir sind !

 

 

 

 

 

* Bereitschaftspotential = gemäß Benjamin Libet und seinen Versuchen: 55oMillisekunden vor einer Handlung ist diese bereits erkennbar (mittels EEG) noch ehe der Willensakt folgt. Dieser (Bewusstsein der Absicht) findet erst 20o Millisekunden vor der Handlung statt. Und 100 Millisekunden vor der Handlung gibt es – laut Libet - ein sogenanntes „Veto-Recht“.

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Frei-willig zum Sieg ? Jetzt?

 

 

Die Entdecker des sogenannten „Bereitschaftspotentials“ , die renommierten Hirnforscher Kornhuber und Deecke, machen uns zu Recht Hoffnungen.

 

„Daß wir in gewissen Graden frei sind, dafür gibt es Belege und die Diskussion um die Willensfreiheit ist rein akademisch und ohne Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. „

Auch können beide Forscher den medienwirksamen Behauptungen von Roth und Singer wenig abgewinnen und entgegenhalten, dass die Libet-Versuche, auf die Roth/Singer ihre Theorien aufbauen, alles andere als unumstritten seien. Die Versuchspersonen wussten nämlich schon zuvor, was sie tun mussten und hatten nicht die „freie Wahl“, vielleicht etwas Anderes zu tun und nicht nur die rechte Hand zu bewegen. Der „Wille“ mag damit wohl mehr oder weniger bemeßbar geworden sein…eine freie Entscheidung für die Versuchspersonen gab es jedoch nicht.

So, als ob man einem Werbefachmann ein Plakate nach freier kreativer Idee entwerfen lässt , aber einschränkt , es dürfe nur ein bestimmtes Produkt in einer bestimmten Art und WEise abgebildet sein. Und sonst gar nichts!

 

Wir haben einen freien Willen, wenngleich dieser von der Geburt an bis ins Babyalter eher eingeschränkt ist. Wir essen in frühen Jahren normalerweise die Nahrung, die uns gegeben wird (manchmal auch nicht) , tragen die vorhandene Kleidung und wachsen in einer Umgebung, Gesellschaft, auf, in die wir hineingeboren wurden. Später werden wir mit einem bestimmten Religions -und Staatssystemen konfrontiert und so weiter „fremd - bestimmt“. Oder genauer gesagt: beeinflusst”, “ge-formt” und “ver-formt”! Im sogenannten Trotzalter üben wir allerdings bereits, uns dagegen aufzulehnen…eine eigene Meinung zu entwickeln und zu vertreten. Oft zum Leidwesen der geprüften Eltern.

 

Mit zunehmender Entwicklung und zunehmenden Alter wächst  unsere Entscheidungsfreiheit und wir lernen, dass wir stets mindestens 2 Möglichkeiten zum Entscheiden haben. Denn wie gesagt, auch nicht zu entscheiden ist bereits eine Entscheidung, die jedoch die Gefahr in sich birgt, dass dann andere Menschen für uns und unser Leben entscheiden. Wir sind dann nicht das Opfer sondern der Mit-Täter, der Anderen seine Entscheidung überlassen hat. Das gilt vor allem für das, was wir ins “Unterbewußtsein” abgeschoben, verdrängt , haben. Es den unterschiedlichsten Gründen. Weil wir uns damit “nicht belasten” wollen. Nur “Jetzt” nicht? Oder “überhaupt nicht”?

Die Entscheidung “jetzt nicht”  beinhaltetet den Plan, das Vorhaben, doch noch zu entscheiden und zu agieren. Zu einem Zeitpunkt, den wir bestimmen, den wir für den richtigen halten.  “Überhaupt nicht” ist dem gleichgestellt. Wir haben entschieden, etwas nicht zu tun.

 

Unser Problem liegt aber in  der negativen Form der  von uns oft verwendeten Taktik des “Verdrängens”. In dem wir Dinge, Erlebnisse, Erfahrungen, als für uns unangenehm ins Unterbewußtsein verschieben , abgleiten lassen, und ganz einfach nicht bewußt wahrnehmen . So, als wären sie nie geschehen. Obwohl sie Bestandteil unseres Lebens , unseres  Erlebens , sind. Und damit in unserem Unterbewußtsein - ob wir wollen oder nicht - gespeichert bleiben. Bis zu dem Tag, zu dem Moment, wo es wieder an die Oberfläche unseres Bewußtseins drängt und uns zu Handlungen, zu Denkweisen und Gefühlen verleitet, die wir dann aber als unbewußt, nicht “ge-wollt”, bezeichnen .Nicht erkennen, dass wir es ja waren, die eine Speicherung zugelassen haben.

 

 

Die Lehre daraus: Bewußt “wahr-nehmen” und bewußt “ent-scheiden”. Jetzt!

Etwas für “wahr” (Sein) bezeichnen…und von irrführendem, schädlichem  (An)Schein “scheiden”. Ent-scheiden!

 

Jetzt, im Augenblick, entscheiden heißt nicht, sofort blind drauflos zu agieren. Es hießt, dass wir unsere Entscheidungen nicht Anderen überlassen sollen – und wollen. Auch nicht die Entscheidung, nichts zu tun. Wir entscheiden , im Jetzt, im Augenblick. Vielleicht  zuzuwarten. Auf einen erfolgversprechenden  Augenblick zu warten und bewusst „Nicht(s) zu tun“* Das ist bereits eine willentliche Entscheidung.

Entscheidungen  aufschieben auf Morgen? Auf „später“?

Später, wann ist das überhaupt? Ist „später“, sollte es das überhaupt geben, dann nicht auch schon wieder ein „Jetzt“? Ein “Augenblick”? Folgt in unserem leben nicht ein Augenblick dem anderen?

 

 

Falls Sie Tennisspieler sind werden Sie folgende Situation sicher kennen:

Ein entscheidendes Match für Sie und Ihr ebenso entscheidender letzter Aufschlag. Wie entscheiden Sie sich? Durch die Mitte, nach Außen, angeschnitten als „ Slice“ oder mit voller Wucht direkt in Richtung Gegner.? Und wie werden Sie reagieren, wenn der Ball wieder zurückgespielt wird? Sie wissen ja: Ihr Gegner spielt einen excellenten Ball entlang der Linie…und auch seine Stopp-Bälle sind gefährlich …

Nun, wie fällt Ihre Entscheidung aus? Eintscheidet Ihr Unterbewußtsein für Sie? Werden Sie “fremdgesteuert”?

 

Obwohl sie nun frei entscheiden können, wie Sie den Ball schlagen werden, beruht Ihre Entscheidung auf eine Vielzahl an Erfahrungen, über Wissen über Ihre Stärken und Schwächen und jene des Gegners. In Ihrem Gehirn gespeichert…das nun Für und Wider abwägt und, umso mehr Wissen gespeichert ist, umso länger benötigt es und umso mehr Einwände , die Sie vielleicht verunsichern, werden möglich.

 

Zu guter Letzt meldet sich noch Ihr Bauchhirn und teilt Ihnen mit, dass der Aufschlag durch die Mitte gefühlsmäßig der erfolgversprechendste sein wird.

 

 

 

 

 

 

*Siehe: „Mit NICHTS zum Erfolg“ – Schöpfen Sie aus der Kraft des bewussten Innehaltens.

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„Time!“ tönt es vom Schiedrichterstuhl.

 

 

Sie schlagen auf – Ihrem Gefühl oder Ihrem Verstand folgend?

 

Die Wahrscheinlichkeit, richtig zu entscheiden ist bei beiden etwa gleich groß. Verstand -mäßiges Für und Wider abwägen dauert nur etwas länger . Und je mehr Informationen Sie gespeichert haben, umso mehr Möglichkeiten können Ihnen von Ihrem Ratio vielleicht zur Entscheidung angeboten werden - aber Sie auch verunsichern. Und ob eine Entscheidung “richtig” war, das hängt vom Ausgang ab. Vom erreichten Ziel, Resultat.

Das kann aber auch bei einer vermeintlichen “Fehlentscheidung” positiv sein. Eine verzwickte Angelegenheit, denn immerhin ist es unser Verstand, der abwägt, was nun in einer Situation richtig oder falsch ist. Und der liegt nur all zu oft im Widerstreit mit unseren Gefühlen, die sich nicht immer verstandsmässig erklären - und schon garnicht steuern - lassen. Bei gewissen unserer Aktionen, wie zum Beispiel im Sport oder in gefährlichen Extremsituationen , hängen Erfolg und Misserfolg auch davon ab, wie schnell eine Entscheidung gefällt wird.

Die emotionale, gefühlsmässige  „Bauchentscheidung“ ist  nachweislich wesentlich schneller. Und energievoller, denn überall dort, wie wir mit unseren Gefühlen „an der Arbeit“ sind, dort werden auch emotionale Energien frei. Bei einem Tennismatch sicher von Vorteil . Auch oft im Berufsleben . Was sich dadurch ausdrückt, dass wir „hoch motiviert“ an die Arbeit gehen, aber  bei ausschliesslich rationellen, Vernunft - orientierten Entscheidungen eher nicht die Regel ist.

 

Wenn bei der Thematik um freie Entscheidungen und freier Wille die vermeintliche Illusion ins Spiel gebracht wird, dann ganz bestimmt in Hinblick auf die Tatsache, dass Gefühl und Vernunft fälschlicherweise als Gegensätze betrachtet werden.

Rational, also mit Vernunft entscheiden, ist nicht das Gegenteil von emotional, mit Gefühl sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Es ist nur in vielen Fällen langsamer.

Denn:

Das Gegenteil von rational ist nicht emotional. Es ist irrational.

Und das Gegenteil von emotional ist nicht rational sondern emotions -los!

 

 

 

Genau so irreführend sind Bezeichnungen wie „Vernunftmensch“ oder „Gefühlsmensch“. Bezeichnungen, die nur allzu oft als Ausrede verwendet werden.

 

„Ich bin halt ein Gefühlsmensch“ kann nämlich sehr gut auch bedeuten, dass man nicht gewillt oder in der Lage ist, auch seinen Verstand zu verwenden - und umgekehrt zeugt die Feststellung : „ich bin halt ein Vernunftmensch“ in vielen Fällen zwar von mangelnder Sensibilität beweist jedoch nicht , dass man über ausreichend Verstand verfügt.

 

Die Lösung?

 

Wie beim Tennis. Im Doppel geht’s meistens dann am Besten . Wenn beide Partner harmonieren. Wenn die gegenseitigen Stärken sinn -voll eingesetzt werden und die Schwächen durch gegenseitige Unterstützung in Stärken umgewandelt werden.

 

So partnerschaftlich sollten wir mit unserer Vernunft und unserem Gefühl bei Entscheidungen durch unseren freien Willen umgehen.

Sie zusammen „spielen“ lassen. Bewußt einsetzen.

Dann wird auch aus und mit unseren Sinnen ein Gewinnen!

 

Mit vernünftigen Entscheidungen, die mit viel Gefühl verwirklicht werden!

 

 

Denn:

Die Vernunft formt den Menschen. Das Gefühl leitet ihn!“*

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Dr.med.Dr.h.c.Lüder Deecke und Dr.med.Dr.h.c. Hans Helmut Kornhuber, die Entdecker des “Bereitschaftspotentials” , über “Wille und Gehirn”

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